Freitag, 2. Dezember 2011
Weltuntergang oder doch eine neue Welt?
Die Bibel, Offenbarung 21,4 (nach NGÜ)
An diesem schönen Morgen deutet bei mir nichts einen Weltuntergang an: Ich bin unterwegs zu einem sicherlich inspirierenden Treffen mit meinem Coach. Auf der Anreise genoss ich den erwachenden Tag und den Ausblick auf die Berge. Jetzt sitze ich hier in einem McCafé, neben mir ein Latte und dazu schreibe ich meinen neusten Blogbeitrag. - So könnte das Leben immer sein...
Neben mir liegt aber auch eine Zeitschrift mit einem Artikel "Achtung Weltuntergang!" und beim surfen sehe ich, dass die Welt dieses Jahr eigentlich schon mehrmals hätte untergehen sollen. Und andere Kreise fordern eindringlich eine neue Weltordnung oder rufen als Botschafter des Lichts die Menschheit auf, dringend mit der Erschaffung einer neuen Welt zu beginnen. Die Zeit dränge, wir sollten sofort aktiv werden, steht da. Und: "Die Erde steht vor einem noch nie da gewesenen Ereignis - einem Dimensionssprung im menschlichen Bewusstsein."
Andere sagen, spätestens am 21. Dezember 2012 sei Feierabend. Der Maya-Kalender lasse keine andere Schlussfolgerung zu.
Einige Menschen lassen sich von diesen Endzeitszenarien faszinieren. Sonst würden wohl kaum in regelmässigen Abständen apokalyptische Kinofilme erscheinen. Wir können uns bei solchen Weltuntergangsvorstellungen auch verunsichern oder beängstigen lassen.
Mir gefallen beide Strömungen nicht: So edel ich die "Lichtbotschaft" finde, dass wir an einer neuen Weltordnung arbeiten sollten, so fatal finde ich den Kern der Botschaft. Wir Menschen hätten es in der Hand, wenn wir uns nur genügend anstrengen, unsere inneren Energien mobilisieren... - dann können wir eine neue Welt erschaffen. Wir können vieles, aber das können wir nicht!
Auf der anderen Seite lasse ich mir auch nicht Angst machen von einem plötzlichen Ende. Zwar glaube auch ich, dass eines Tages eine neue Welt kommen wird. Aber ich habe weder Angst davor, noch glaube ich, dass ich sie erschaffen muss. Wie es ganz oben steht:"Er wird...". Ich bin froh, dass Gott selbst ein Neues schaffen wird. Ich will dabei sein, wenn er das tun wird - aber ich will nicht, dass wir Menschen die Verantwortung dafür haben. Wir haben es ja schon einmal nicht wirklich hingekriegt...
Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich "Spiritualität".
Freitag, 25. November 2011
Lernen vom Schuhmacher Martin
Der Schuhmacher Martin in einer Erzählung von Leo Tolstoi (Wo die Liebe ist, da ist auch Gott)
Meine Frau hat sich dieses Jahr einen Wunsch erfüllt: Basierend auf die bekannte Erzählung vom "Schuhmacher Martin" hat sie ein Hörspiel geschrieben und ein Figurentheater entwickelt. Das Stück "Lueg use, Martin" ist nicht nur sehr schön, es ist auch sehr berührend.
Im Figurentheater geht es um den vom Leben gezeichneten und dennoch zufriedenen Schuhmacher Martin, der zusammen mit der Maus Melchior in seiner Werkstatt wohnt. Während Melchior Besuch von seinem Bruder Balthasar bekommt und dieser seinen gewohnten Alltag durcheinander bringt, gibt Martin in verschiedenen Begegnungen unbemerkt viel Wärme und Liebe weiter.
Es lohnt sich, die Geschichte etwas genauer zu betrachten: Da ist ein armer Schuhmacher, der viele Schicksalsschläge wegstecken muss. Seine Frau stirbt früh, seine Kinder auch und schlussendlich erliegt auch sein jüngster Sohn einer Krankheit.
In dieser Situation gibt sich Martin "ganz der Verzweiflung hin". Aus dieser Zeit stammt der oben genannte Ausschnitt aus einem Dialog.
Die Hoffnungslosigkeit und die Verzweiflung haben nicht das letzte Wort. Tatsächlich wird aus dem lebensmüden Martin ein warmherziger Mensch, der Nächstenliebe ganz konkret lebt.
Was ist geschehen?
Hören wir nochmals in den Dialog hinein, den ich oben bereits angerissen habe: "Und der Alte erwiderte: 'Für Gott müssen wir leben, Martin. Er ist es, der dir das Leben gegeben hat, ihm sollen wir es leben. Wenn du ihm lebst, wirst du dich um nichts mehr bekümmern, und alles wird dir leicht erscheinen.'"
Es scheint eine etwas gar einfache Lösung zu sein. Und tatsächlich wird es uns im wirklichen Leben oft auch um einiges komplexer vorkommen. Doch dieser Ratschlag war für Martin der Beginn einer spannenden Reise. Durch diesen Rat gelingt es ihm, von sich weg zu Gott hin und dadurch auch zum Mitmenschen zu schauen.
Wie können wir Rückschläge verkraften und Schicksalsschläge überwinden? Wie werden wir versöhnt mit uns und unserem Leben? Es beginnt dort, wo wir den Blick von uns weg auf unser Gegenüber hin richten. Wer nur sich und seine Probleme sieht, wird sich immer elender fühlen. Wer es wagt, auf Gott zu schauen, kann neue Perspektive gewinnen. Und wer in aller Schwachheit beginnt, dem Mitmenschen zu dienen, wird erleben, wie ein Heilungsprozess in Gang gesetzt wird.
Das empfehlenswerte Figurentheater Lueg use, Martin ist im Advent 2011 in Studen BE zu sehen und kann im Adonia-Verlag als Hörspiel gekauft werden.
Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich "Selbst".
Freitag, 28. Oktober 2011
Eine Überzeugung, die mich leitet
Mit anderen Worten: Als Praktiker habe ich in den letzten Jahren vor allem Kurse und Weiterbildungen besucht, die einen direkten Nutzen für meine beruflichen Tätigkeiten versprachen. Jetzt finde ich mich in Kursen wieder, die wissenschaftliches Arbeiten und jede Menge theoretischen Lesestoff mit sich bringen und auf den ersten Blick noch nicht viel mit meinem Arbeitsumfeld zu tun haben.
Gleich in den Einführungstagen wurde ich herausgefordert, über Axiome meines wissenschaftlichen, theologischen Schaffens nachzudenken. Sprich: Welche Grundannahmen und Überzeugungen leiten mich in meinem Forschen, Nachdenken und Handeln als Theologe.
Was ist der grosse Bogen, den ich für mich als gegeben anschaue? In den letzten Tagen wurde mir bewusst, dass der folgende Satz für mich ein solches Axiom darstellt:
"Alles Leben und Wissen kann nur von Gott her und zu Gott hin gedacht werden."
Stefan Gerber
Es ist meine Überzeugung, dass Gott schon da war, bevor wir Menschen denken und handeln konnten. Daher kann ich nicht anders, als mit dieser Grundannahme durchs Leben zu gehen, dass am Anfang ein Schöpfergott da war, der den Lebewesen das Leben einhauchte.
Genauso fest glaube ich, dass am Ende Gott das letzte Wort sprechen wird. Wir können Gott aus unserem Alltag drängen, doch das heisst noch lange nicht, dass er desswegen aufhört zu existieren.
Für mich persönlich ist Gott Anfangs- und Endpunkt des Lebens. Und mein Dasein macht erst dann wirklich Sinn, wenn ich im Blick habe, dass er mich geschaffen hat und er mich an der "Zielline" in Empfang nehmen wird.
Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich "Spiritualität".
Freitag, 23. September 2011
Wem gehört der Applaus?
(Volxbibel, Römerbrief 11,36)
Im Lebensbereich "Sinnfrage", ich nenne ihn "Spiritualität", geht es vereinfacht gesagt um die Frage: Wem gehört der Applaus meines Lebens?
Jeder Mensch will "applaudieren", etwas verherrlichen oder anhimmeln. Dabei entdecke ich drei Formen von fehlgeleitetem "Applaudieren":
- Sich selbst "anbeten": Der Narzismus unserer Zeit liegt darin, dass viele Menschen nur noch sich selbst applaudieren. Jeder will eine beklatschte und verehrte Berühmtheit sein - mindestens für die bekannten fünfzehn Minuten.
- Andere Menschen "anhimmeln": Jeder hat seine bewussten oder unbewussten Vorbilder, manche haben ihre geliebten Idole. Dort, wo der Fankult zu einer Religion wird, sehe ich eine grosse Gefahr. Es kann nicht gut kommen, wenn wir andere Menschen anhimmeln, ja sogar anbeten.
- Materielles "vergötzen": Wir sind vielleicht stolz darauf, dass wir nicht vor einem "Goldenen Kalb" auf die Knie gehen. Doch so viel schlauer als die alten Völker sind wir auch nicht! Ob das Statussymbol Auto, das grössere Haus oder das Aktienportfolio - viel zu oft macht sich der Mensch seine Götter selbst.
Natürlich freue auch ich mich, wenn mir etwas gelingt und ich dafür Applaus erhalte. Und natürlich habe auch ich meine Vorbilder, von denen ich lernen will. Und natürlich freue auch ich mich, wenn es mir wirtschaftlich gut geht. Aber ich will darin den nicht vergessen, der mir das Leben geschenkt hat. Ich will nicht mich, nicht andere Menschen und schon gar nicht Materielles in den Mittelpunkt meines Lebens stellen. Für mich heisst Spiritualität, immer wieder die Begegnung mit dem suchen, der mich erschaffen hat. Und dabei gebe ich ihm den Applaus, weil er es auch wirklich verdient und ich selbst gestärkt werde, wenn ich den Schöpfer des Universums anhimmle.
Mittwoch, 6. Juli 2011
Betreten verboten!
Lassen Sie sich nicht von "Privat"-Schildern beirren und besuchen Sie doch mal wieder eine Kirche! Vielleicht eine, die tatsächlich für alle offen ist und "das Volk" willkommen heisst.
Samstag, 23. April 2011
Die Hoffnung, die mich trägt
bekommen neue Kraft.
Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen.
Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und sind nicht erschöpft.
(Die Bibel, Jesaja 40,31)
Meine Ostergedanken:
Ostern – ein Licht am Horizont
Ich glaube, dass es in jeder noch so ausweglosen Situation ein „Licht am Horizont“ gibt. Die Freunde von Jesus hätten damals ein starkes Licht gehabt: Jesus hat ihnen im voraus gesagt, dass er sterben wird, aber dann nach drei Tagen wieder auferstehen würde. Der Sonntag nach Karfreitag hätte für sie „Licht am Horizont“ sein können. Und heute kann Ostern für uns ein Licht am Horizont sein: Auch nach der dunkelsten Nacht wird es wieder hell. Die Hoffnungslosigkeit hat nicht das letzte Wort.
Ostern – Vertrauen auf Gottes Eingreifen
Es scheint, als hätten die Freunde von Jesus in ihrer misslichen Situation nach Karfreitag ihr Vertrauen auf Gottes Eingreifen verloren gehabt: Verängstigt, zurückgezogen, wahrscheinlich depressiv.
Gott griff trotzdem ein! Ostern wurde für die Jünger zum Beweis, dass Gott tatsächlich eingreift. Dass bei ihm nicht fertig ist, wenn alles aus ist.
Darum heisst Ostern für mich: Vertrauen auf Gottes Eingreifen. Das ist Hoffnung: Wenn wir am Ende sind, ist es Gott noch lange nicht.
Ostern – mehr als ein Symbol
Meine grösste Hoffnung und Zuversicht ist, dass Ostern mehr als ein Symbol ist. Der Mensch kommt mit Positivem Denken und mit einer fröhlichen Lebenseinstellung nach dem Motto „Nachem Räge schint d’Sunne“ weit.
Doch wo kann ich hingehen mit meiner tiefsten Verzweiflung? Wer heilt meine seelischen Wunden? Wer hilft mir, wenn ich selbst nicht mehr positiv denken kann?
An Karfreitag und Ostern hat Jesus möglich gemacht, was kein Mensch alleine geschafft hätte: Jesus hat den Weg zurück zum Vater im Himmel frei gemacht. Trotz all meiner Unheiligkeit kann ich vor den heiligen Gott treten, wenn ich mich auf Jesus berufe.
Montag, 17. Januar 2011
Wem gefalle ich?
(Michael Utsch in AufAtmen 4/2010)
Dieses Zitat begleitet mich momentan. Für mein Sein und Tun brauche ich, wie wohl jeder Mensch, immer mal wieder eine Portion Anerkennung.
Das menschliche Bedürfnis nach Anerkennung, und die damit verbundene Suche danach, scheint mir jedoch einige Tücken zu haben: Tue ich, was ich tue, um anderen zu gefallen? Oder lebe ich, egal ob es mir Applaus bringt, meine innere Überzeugung, meine Berufung?
Jeder braucht Anerkennung, aber dies sollte nicht unser Handeln diktieren.
Wo erhalten Sie Anerkennung und wem wollen Sie gefallen?
Mittwoch, 20. Oktober 2010
Gotthard - ein starkes Symbol
Wie viele andere Schweizer (und sogar einige EU-Minister) habe ich vergangene Woche den Gotthard Durchschlag per TV live miterlebt.
Es war rührend zu sehen, wie gestandene Bundesräte schluchzten, sich in den Armen lagen und sich wie kleine Buben von einer Baustelle faszinieren liessen.
Dass so überwältige "Freude herrscht", ist auch gut begründet. Der Gotthard-Durchschlag ist ein starkes Zeichen dafür, dass wir Menschen zu Grossartigem fähig sind: Gegen 3000 Menschen schufen mit dem fast 60 km langen Gotthard-Basistunnel einen grossartigen Weltrekord.
Der Zufall will es, dass "Gotthard" in diesen Tagen aber auch ein Symbol für eine menschliche Tragödie ist. Der völlig unerwartete Tod von Steve Lee der Rockband Gotthard hat alle schockiert.
Eine der schönsten Balladen ist der Gotthard-Song "Heaven", der in den Tagen nach dem tragischen Tod von Steve Lee in den Radios immer wieder gespielt wurde und derzeit die Charts stürmt.
Im Song steht:
– Lass mich mein Stück vom Himmel finden
– Lass mich meinen Weg zurück nach Hause finden
– Ich will diese Liebe für die Ewigkeit
– Und wieder zusammen, steigen wir
– aus der Asche in den Himmel
Klar ist HEAVEN ein Liebeslied. Und doch glaube ich, dass diese Zeilen eine grössere Sehnsucht als die zwischen Mann und Frau ausdrücken. In uns Menschen ist etwas, das sich nach dem Göttlichen, dem Ewigen sehnt.
Gott hat versprochen, dass wir ihn finden, wenn wir aufrichtig nach ihm fragen. Meine Überzeugung und Erfahrung ist, dass uns der Himmel, dass uns Gott selbst, genau das schenken möchte, was im Song Heaven beschrieben wird: Er schenkt uns ein Stück Himmel, er zeigt uns den Weg zurück nach Hause, er schenkt uns eine Liebe, die ewig hält. Und an seiner Seite steigen wir tatsächlich aus der Asche in den Himmel.
Für mich ist die persönliche Spiritualität ein wichtiger Teil von einem Leben in Balance. Darum werde ich meine Entdeckungsreise in Sachen Glaube und Gott weiterführen. Und weil sich die Sinnfrage jedem Menschen stellt, empfehle ich allen, sich selbst auch auf die Suche zu machen. Eine von vielen Möglichkeiten ist der 3teiligen Entdeckerkurs „Glaube, Liebe, Hoffnung“, den ich zusammen mit den Leuten aus dem gms in den nächsten Wochen anbiete.
Dienstag, 7. September 2010
leisten vs. beschenken lassen
Was ich heute über diesen Kanal teilen will, sind nicht einfach philosophische Gedanken zum Theme Leben in Balance, es sind meine persönlichen Erfahrungen.
Hier also "mini Gschicht":
Als Kind habe ich schnell begriffen, wie diese Welt funktioniert: Willst du jemand sein, musst du Aussergewöhnliches leisten. In der Schule schaute ich zu den „Grossen“ hinauf und dachte: Wenn ich dann in der Oberstufe bin, dann bin ich jemand - wenn ich dann in der 9. Klasse, in der Lehre, in der RS, verheiratet bin…
Mir wurde die Welt mit einer Pyramide erklärt: Unten das „Fussvolk“, oben, wo es nur wenig Platz hat, die Erfolgreichen. Ich wollte nicht zum Fussvolk gehören. Also habe auch ich mich über Leistung und Erfolg definiert.
Inzwischen hat Jesus meine Pyramide umgedreht. Gott wurde Mensch um uns Menschen zu sagen: Es geht nicht um Leistung – bei mir bist du jemand, bist du wertvoll auch ohne aussergewöhnliche Taten. Heute muss ich mir und meinen Mitmenschen nichts mehr beweisen, muss nicht perfekt sein. Ich bin schon „gross“, weil Gott mich liebt und mich gewollt hat.
Ich leiste immer noch gerne – doch mein Wert macht nicht mehr meine Leistung aus!
Jesus hat mein Leben umgedreht. Er hat meine Lebenspyramide gedreht. Vorher war das Leben für mich ein Wettbewerb. Nur die Besten können gewinnen. Darum zählte nur die Leistung.
Heute weiss ich, dass ich mir das wirklich Wichtige nicht "erleisten" oder kaufen kann. Jesus hat mich vom Leistungsdenken befreit und mich mit Liebe und Hoffnung beschenkt.
Erfüllung ist mir heute wichtiger als Erfolg.
Viele Kinder (auch erwachsene Kinder) erhoffen sich, durch ihre Leistungen die Anerkennung ihrer Väter zu gewinnen. Und viele Menschen versuchen mit ihrem Leben "Gott + die Welt" zu beeindrucken. Was für ein Stress... Der himmlische Vater wartet mit offenen Armen auf uns! Er liebt uns sowieso, ihn können und müssen wir nicht beeindrucken.
Sind wir bereit, uns beschenken zu lassen?
Mittwoch, 11. August 2010
Wie viel Routine ist gesund?
daß es schwerfällt zu glauben,
sie lebten zum ersten Mal.
Stanislaw Jerzy Lec
polnischer Satiriker
1909 - 1966
Dieses Zitat hab ich heute in "Tikis Lichtblick" gelesen und war sofort begeistert davon.
Was macht unser Leben aufregend, abwechslungsreich, spannend - und letztendlich auch lebenswert?
Ich brauche Aufgaben, die mich herausfordern und mein Bestes abverlangen. Momente, in die ich meine ganze Energie, meine Stärken und Motivation fokussiert investieren kann.
In manchen Situationen kann Routine eine hilfe sein. Zu viel Routine tötet aber das Leben in uns.
- Zu viel Routine kann die Leidenschaft in einer Partnerschaft erlöschen.
- Die Arbeit, die nur aus Routine besteht, hindert uns, lustvoll Neues zu wagen - Kreativität, Weiterentwicklung und Wachstum werden gebremst.
- Für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung sind Rituale sehr wertvoll. Doch wer nicht zu neuen Horizonten aufbricht, wird nichts Neues entdecken und bleibt in seiner Entwicklung stecken.
- Routine macht uns in Beziehungen berechenbar. Das Überraschende kann belebend wirken.
- Selbst so etwas Rituelles wie die Spiritualität kann nicht bloss von Routine leben. Ein wacher Glaube lebt sowohl von Routine als auch neu Entdeckungen und Experimenten.
Um nicht in einen Alltagstrott zu fallen, hilft es, wenn wir regelmässig unsere Flow-Erfahrungen machen - bei der Arbeit, in Beziehungen und mit der Familie.
Dienstag, 13. Juli 2010
Alles hat seine Zeit
Jedes Ereignis, alles auf der Welt hat seine Zeit:
Geborenwerden und Sterben,
Pflanzen und Ausreißen,
Töten und Heilen,
Niederreißen und Aufbauen,
Weinen und Lachen,
Klagen und Tanzen,
Steinewerfen und Steinesammeln,
Umarmen und Loslassen,
Suchen und Finden,
Aufbewahren und Wegwerfen,
Zerreißen und Zusammennähen,
Reden und Schweigen,
Lieben und Hassen,
Krieg und Frieden.
(Die Bibel, Prediger 3,1-8)
Der Text kann erschrecken – und an einem solch schönen Sommertag wie heute würden wir vielleicht lieber einfach nur vom Schönen + Guten reden. Doch hier geht’s um Leben pur – und das ist halt nicht einfach nur schön + nett, manchmal ist es auch ziemlich grausam + hässlich!
König Salomo hält uns in seinem Gedicht einen Spiegel vors Gesicht und sagt: Schau mal, das Leben hat viel Schönes zu bieten, der Mensch handelt immer wieder konstruktiv, doch da gibt es auch die destruktiven Taten.
Wenn wir ehrlich sind, sehen wir in unserem Spiegel doch alle solche destruktive Taten, Negatives statt Positives, Streit statt Frieden – ja, sogar Hass statt Liebe.
Ich wünsche uns, dass am Ende die Liebe gewinnt.
Und nicht vergessen: Alles hat seine Zeit! In den Sommermonaten kann dies vielleicht bedeuten "Freunde treffen und Sonne geniessen."
Dienstag, 8. Juni 2010
Gott, der Anti-Abzocker
1 "Mit der neuen Welt Gottes ist es wie mit einem Weinbauern, der frühmorgens Arbeiter für seinen Weinberg anwarb. 2 Er einigte sich mit ihnen auf den üblichen Tageslohn und ließ sie in seinem Weinberg arbeiten. 3 Ein paar Stunden später ging er noch einmal über den Marktplatz und sah dort Leute herumstehen, die arbeitslos waren. 4 Auch diese schickte er in seinen Weinberg und versprach ihnen einen angemessenen Lohn. 5 Zur Mittagszeit und gegen drei Uhr nachmittags stellte er noch mehr Arbeiter ein. 6 Als er um fünf Uhr in die Stadt kam, sah er wieder ein paar Leute untätig herumstehen. Er fragte sie: 'Warum habt ihr heute nicht gearbeitet?' 7 'Uns wollte niemand haben', antworteten sie. 'Geht doch und helft auch noch in meinem Weinberg mit!', forderte er sie auf. 8 Am Abend beauftragte er seinen Verwalter: 'Ruf die Leute zusammen, und zahl ihnen den Lohn aus! Fang beim Letzten an, und hör beim Ersten auf!' 9 Zuerst kamen also die zuletzt Eingestellten, und jeder von ihnen bekam den vollen Tageslohn. 10 Jetzt meinten die anderen Arbeiter, sie würden mehr bekommen. Aber sie erhielten alle nur den vereinbarten Tageslohn. 11 Da beschwerten sie sich beim Weinbauern: 12 'Diese Leute haben nur eine Stunde gearbeitet, und du zahlst ihnen dasselbe wie uns. Dabei haben wir uns den ganzen Tag in der brennenden Sonne abgerackert!' 13 'Mein Freund', entgegnete der Weinbauer einem von ihnen, 'dir geschieht doch kein Unrecht! Haben wir uns nicht auf diesen Betrag geeinigt? 14 Nimm dein Geld und geh! Ich will den anderen genauso viel zahlen wie dir. 15 Schließlich darf ich doch wohl mit meinem Geld machen, was ich will! Oder ärgerst du dich, weil ich großzügig bin?' (Die Bibel, Matthäus 20,1-15)
Drei Dinge fallen mir auf:
- Gott ist für die Arbeit: Er will, dass wir uns engagieren können und nicht "untätig herumstehen" müssen. Jeder braucht Möglichkeiten, sich einbringen zu können.
- Gott schenkt uns (Be)Achtung und Wert: Selbst wer von allen andern nicht beachtet wird ('Uns wollte niemand haben'), erhält bei ihm eine Aufgabe, wird integriert.
- Gott führt seine Unternehmung nach dem Prinzip der "LeistungsUNabhängigen-Lohnbestandteile". Mit anderen Worten: Gott gibt uns nicht nach unserer Leistung sondern beschenkt die Menschen nach seinem grosszügigen Herzen.
Fragt sich, wie wir unsere Mitmenschen und Mitarbeiter behandeln: Sehe ich im Mitmenschen nur einen "Nutzen-Kosten-Faktor" (Was bringt es mir, wenn ich mich um diese Person kümmere? Was nützt mir diese Freundschaft?) oder ein gleichwertiges Gegenüber, das sich genaso (Be)Achtung wünscht und verdient, wie ich?
Ist Gott ungerecht, wenn er alle gleich grosszügig beschenkt - unabhängig der Leistung? Gott, der Anti-Abzocker: Er kann nicht anders, als alle grosszügig zu beschenken, die sich seiner "Unternehmung" anschliessen.
Dienstag, 11. Mai 2010
Gewinnen durch Loslassen
Es gibt da so eine Geschichte, wie man auf einfachste Weise einen Affen fangen kann: Man nimmt eine Kiste mit einem Loch, gerade so gross, dass der Affe seine Hand hineinstrecken kann. In die Kiste legt man eine Banane und sobald nun der Affe die Banane festklammert, ist er ein Gefangener von sich selbst. Der Klammereffekt ist so stark, dass er sich lieber freiwillig an die Kiste bindet, als loszulassen und in Freiheit weiterzuleben...
Welche Früchte im Leben klammern wir? An welche Kisten sind wir gebunden, statt in Freiheit zu leben?
Loslassen ist eine hohe Kunst, das sagte schon Buddha, dies lehrt uns die Bibel und eigentlich machen wir doch auch fast täglich die Erfahrung, dass der, dem es gelingt loszulassen, zu den Gewinnern gehört.
Doch die ganze Menschheitsgeschichte ist von diesem Klammern geprägt. Mit dem ersten Griff zur „verbotenen Frucht“ hat sich der Mensch zum Sklaven von sich selbst gemacht. Wir sind gefangen in unserer Gier, unserem „Unbedingt-genau-das-haben-wollen-und-zwar-jetzt-sofort“. Eva meinte, alles würde besser mit dem Einen Griff nach der Frucht. Seither meinen wir immer wieder, dass uns dieser Griff nach der Frucht glücklich machen würde – und dabei machen wir uns wie die Affen zu lächerlichen Gefangenen, die sich freiwillig selbst in einer Kiste einschliessen – der Klammereffekt vom "Unbedingt-haben-Wollen" (oder von der Idee, wie Gott zu sein), ist in diesem Moment grösser, als der Verstand, der uns etwas anderes sagen könnte.
Die Frucht war damals nicht das Problem und ist es auch heute nicht: Im Garten hing die Frucht einfach am falschen Baum und bei uns liegt die Frucht einfach in der falschen Kiste. Gott schenkte Adam & Eva einen ganzen Garten voller Früchte. Aber Eva wollte unbedingt „die da“. Gott beschenkt uns so oft mit Überfluss – aber wir wollen genau diese verführerische Frucht in dieser Kiste.
Warum nur?
Jesus: „Wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren. Wer es aber für mich einsetzt, der wird es für immer gewinnen." (Matthäus 10,39)
Montag, 22. Februar 2010
Kaum zu glauben
Kaum zu glauben - Gott der Schöpfer jubelt über mich?!
Kann es sein, dass Gott tiefe Emotionen für uns Menschen empfindet? Ist es wahr, dass er über seine Kinder jubelt?
Ein paar Minuten nachdem ich mir über diesen staunenswerten Bibeltext Gedanken gemacht habe, erlebte ich heute morgen als Vater eine passende Situation: Unser 4jähriger Sohn strahlt mir vom "Ritigampfi" (von der Schaukel) entgegen: Zum ersten Mal kommt er ohne fremde Hilfe so richtig in Schwung, ist schnell und hoch am Hin- und Herschaukeln.

Da jubelt mein Vaterherz und ich freue mich riesig mit und über meinen Sohn Janosch. Er hat wieder etwas Neues gelernt, entwickelt sich weiter.
Meine Kinder lösen die stärksten emotionalen Empfindungen in mir aus. Kann es nun wirklich sein, dass Gott solche Emotionen empfindet, wenn er an uns denkt? Jubelt Gott tatsächlich, wenn eines seiner Kinder Fortschritte macht, sich im Leben und Glauben weiterentwickelt oder einfach dankbar ist für all das Schöne im Leben?
Kaum zu glauben - aber die Bibel verspricht es uns. Und darum will ich es glauben und mich daran freuen, dass der himmlische Vater in seiner unfassbaren Liebe über meine Fehler hinwegsehen will und jubelt, wenn er an mich denkt.
Kaum zu glauben, oder?
Zum Weiterstaunen: Liebesbrief von Gott - E-Water
Freitag, 4. Dezember 2009
Himmlisches Friedensangebot
Wir kennen es alle: Beziehungen sind eine fragile Sache. Pflegt man sie zu wenig achtsam, geraten sie schneller als man es realisiert aus dem Gleichgewicht, Risse entstehen, der trennende Graben wird tiefer und nicht selten kommt es leider zum völligen Bruch.
Selbst die anfänglich paradisische Beziehung zwischen Gott und dem Menschen wurde schon bald getrübt. Bis heute tun wir uns in der Beziehung zu Gott schwer: Entweder ignorieren wir Gott und machen einen grossen Bogen um ihn oder versuchen den Allmächtigen mit guten Taten und religiösen Bemühungen zu beeindrucken. Beides schafft leider nur mehr Distanz zwischen Gott und dem Mensch - der Graben zwischen Himmel und Erde wird nur tiefer.
Dabei hat Gott vor über 2000 Jahren sowas wie ein Mediator zur Erde geschickt. Nein, eigentlich ist es mehr als ein Mediator, der zwischen zwei Parteien vermittelt, eigentlich hat Gott in Jesus einen Friedensstifter zu uns geschickt: In Jesus reicht uns Gott die Hand, bietet uns Frieden, Liebe und Hoffnung an.
Wollen wir weiterhin mit Gott auf Distanz gehen oder ihn mit unserem Taten beeindrucken - oder öffnen wir uns für das göttliche Weihnachtsgeschenk? Jesus streckt uns als Friedensbringer die Hand entgegen und wartet hoffnungsvoll darauf, dass wir seine Hand ergreiffen.
Und plötzlich war bei dem Engel ein ganzes Heer von Engeln, all die vielen, die im Himmel Gott dienen; die priesen Gott und riefen: »Groß ist von jetzt an Gottes Herrlichkeit im Himmel; denn sein Frieden ist herabgekommen auf die Erde zu den Menschen, die er erwählt hat und liebt!« (aus "Gute Nachricht Bibel", Lukas 2,13+14)
Freitag, 26. Juni 2009
Das Strandhaus - oder wenn das Leben plötzlich zu Ende ist
Da war zuerst der Blick in meine Bibel - eine alte Beispielgeschichte über die Frage, ob unser Lebenshaus auf einem widerstandsfähigem Fundament gebaut ist: "Denn wenn ein Wolkenbruch kommt, die Flut das Land überschwemmt und der Sturm um das Haus tobt, wird es aus allen Fugen geraten und krachend einstürzen." (Die Bibel, Buch Matthäus, Kapitel 7, Vers 27)
Nach diesem Blick ins Buch der Bücher folgte der Blick ins Netz der Netze. Im Internet überraschte und schockierte mich die Nachricht, dass Michael Jackson tot ist.
Der unerwartete Tod vom "King of Pop" kann die Botschaft für uns haben: Das Leben ist ein Geschenk, jeder neue Tag, den wir erleben dürfen, ist ein Geschenk. Und: Dieses Leben kann plötzlich, völlig unerwartet vorbei sein.
Die Botschaft der Beispielgeschichte mit dem Strandhaus und dem Haus auf dem Felsen ist simpel und doch so herausfordernd: Überleg dir, was du aus diesem Geschenk "LEBEN" machst! Ein (Lebens)Haus auf Sand gebaut, wir den Stürmen des Lebens nicht trotzen können. Bei Sonnenschein mag ein Strandhaus ja fantastisch schön sein - doch, wie heisst es im Zitat oben so treffend? In stürmischen Zeiten wird ein solches (Lebens)Haus aus allen Fugen geraten und krachend einstürzen.
Ein widerstandsfähiges, erfolgreiches und erfülltes Leben braucht mehr als Sandstrände. Das Leben ist mehr als ein Spiel im Sandkasten. Wir brauchen einen Boden, ein Fundament, das uns trägt - in guten wie in schlechten Tagen. Darum hat schon Jesus geraten: Bau dein Lebenshaus auf Fels, nicht auf Sand.
Ich bin dankbar für das Leben, das mir jeden Tag neu geschenkt wird. Und in den schwieirigen Tagen meines Lebens bin ich froh, auf ein Fundament gebaut zu haben, das sturmerprobt ist.
Montag, 25. Mai 2009
Ist Gott noch relevant?
Ihr Klang ist so nah - vertraut
Und das Christentum ist so weit ...
(Linard Bardill)
Hat sich das Christentum von der Gesellschaft verabschiedet? Oder ist es die Gesellschaft, die sich immer weiter vom Christentum entfernt?
Tatsache ist, für viele Zeitgenossen ist das Christentum, der christliche Glaube, Gott und die Kirche nicht mehr wirklich relevant.
Gerade letzte Woche wurde mir dies wieder bewusst. Ich stand am Postschalter, als ich hörte, wie ein anderer Kunde sich mit diesen Worten verabschiedete: "Schöne Pfing(sten)... äh, Auffahrt!". Wir geniessen die Feiertage und nehmen die geschenkte Zeit dankbar entgegen; doch wissen wir auch, warum wir eigentlich frei haben? Was macht aus einem normalen Donnerstag einen Feiertag? Was wird da eigentlich gefeiert?
So vertraut uns der Klang der Kirchenglocke sein mag, so fremd ist vielen von uns das Christentum.
Schade eigentlich! Gut, wir können darüber diskutieren, ob die Kirchen noch relevant für die Gesellschaft sind, doch der Gott der Bibel und sein Sohn Jesus hätten schon einiges zu sagen, was sehr gesellschaftsrelevant und aktuell wäre (Umgang mit dem lieben Geld, wie wir Abzocker behandeln sollen, unsere Verantwortung in Sachen Leid + Armut auf der Welt...).
Und übrigens, der Kern des Christentums hat weniger damit zu tun, wie wir uns verhalten sollen, als damit, dass es da einen liebenden Gott gibt, für den wir kein Zufallsprodukt, keine Nummer oder "überzählige Arbeitskraft" sind.
Der Klang der Kirchenglocke könnte für uns auch eine neue Bedeutung bekommen: Da gibt es einen Gott, der mich ganz persönlich liebt und dem in nicht "Wurst" bin.

